So, nun wird diese ganze SSL-Problematik langsam unheimlich.
Erklärung: http://blog.fefe.de/?ts=b544bbc7.
Konsequenz:
Und unter Debian:
Grmbl.
Dienstag, 6. April 2010
Zertifikat? Welches Zertifikat? Ach, das...
Donnerstag, 25. März 2010
Wie erwartet: Regierungen lesen SSL-Verbindungen mit
Gulli berichtet:
Es ist absolut nicht überraschend, dass eine Zertifikatsautorität für "Bedarfsträger" falsche Zertifikate ausstellen kann, das sieht der X.509-Standard so vor.
Stand hier schon 2008.
Und wie schon erwähnt erzählt Dan Kaminsky einiges dazu in seinem Vortrag auf dem 26C3.
Dass eine Regierung von dieser Möglichkeit Gebrauch macht ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn eine Vertrauensstelle in einem System vorkommt, sei es eine Bank, ein Offizier, ein Programmierer oder eben eine Zertifikatsauthorität, dann ist diese immer ein möglicher Angriffspunkt, daran lässt sich auch kaum etwas ändern. Aber X.509 setzt darauf, dass wir den Autoritäten vertrauen, denen die Browserlieferanten vertrauen. Allen. Allen gleichzeitig. Selbst schuld.
Eine neue wissenschaftliche Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die US-Regierung mit vielen SSL-Zertifizierungsstellen kooperiert, um das Mitlesen verschlüsselter Verbindungen zu ermöglichen.
Die IT-Sicherheitsforscher Christopher Soghoian und Sid Stamm kommen zu dem Schluss, dass die Regierung vielfach die Schlüssel von SSL-Zertifikaten von den Zertifizierungsstellen (Certificate Authorities - CAs) erhält. So können sie Websites vortäuschen und die Benutzer in Sicherheit wiegen. Mit Hilfe von Forensik-Tools können sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe sogar automatisiert durchgeführt werden. Die Konsequenz: die US-Regierung ist offenbar in der Lage, routinemäßig SSL-Verbindungen mitzulesen, ohne den Schlüssel knacken zu müssen.
Es ist absolut nicht überraschend, dass eine Zertifikatsautorität für "Bedarfsträger" falsche Zertifikate ausstellen kann, das sieht der X.509-Standard so vor.
Stand hier schon 2008.
Und wie schon erwähnt erzählt Dan Kaminsky einiges dazu in seinem Vortrag auf dem 26C3.
Dass eine Regierung von dieser Möglichkeit Gebrauch macht ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn eine Vertrauensstelle in einem System vorkommt, sei es eine Bank, ein Offizier, ein Programmierer oder eben eine Zertifikatsauthorität, dann ist diese immer ein möglicher Angriffspunkt, daran lässt sich auch kaum etwas ändern. Aber X.509 setzt darauf, dass wir den Autoritäten vertrauen, denen die Browserlieferanten vertrauen. Allen. Allen gleichzeitig. Selbst schuld.
Mittwoch, 29. April 2009
das WLAN der Schurken
Die Annahme, ein Angreifer käme immer von außen, ist bekanntlich falsch. Ebenso wenig taugt der innere Angreifer als Ausrede für Unternehmen mit schlechten Sicherheitsvorkehrungen.
Doch die Begriffe "innen" und "außen" verlieren im Zeitalter der Funknetze ihre Wirkung. Ein im Schrank oder unter dem Schreibtisch versteckter WLAN-Access-Point gewährt dem Angreifer "draußen" (vor der Tür) vielleicht Zugriff auf das interne Netz.
Sherri von philosecurity schreibt darüber, wie solche Access-Points funktechnisch verborgen sein können:
1. Sie funken auf Kanal 14:
Kanal 14 zu nutzen ist nur in Japan legal. Natürlich sollte ein Sniffer alle 14 Kanäle abhören, um den Feindsender im eigenen Lager aufzuspüren.
2. 802.11n ohne Abwärtskompatibilität:
Das ist eigentlich der selbe Trick wie 1. Es sollte kein Problem sein, einen Sniffer auch auf 802.11n lauschen zu lassen, doch bis die Spezifikation steht und verbreitet ist, sind 802.11n-Access-Points eine gute Wette für den Fiesling von heute.
3. Bluetooth mit hoher Reichweite statt WLAN:
4. Wireless Knocking:
Wireless Knocking ist eine Abwandlung des Portknockings. Und es gibt bereits ein Programm dafür: "WKnock" heißt es und ist für OpenWrt verfügbar. Es dient dazu, den eigenen Access-Point vor Angreifern zu verstecken, doch wie jedes "Hackertool" kann es mit guten und bösen Absichten benutzt werden. Wer Angreifer und wer Verteidiger ist, ist keine Frage der Software.
Doch die Begriffe "innen" und "außen" verlieren im Zeitalter der Funknetze ihre Wirkung. Ein im Schrank oder unter dem Schreibtisch versteckter WLAN-Access-Point gewährt dem Angreifer "draußen" (vor der Tür) vielleicht Zugriff auf das interne Netz.
Sherri von philosecurity schreibt darüber, wie solche Access-Points funktechnisch verborgen sein können:
1. Sie funken auf Kanal 14:
If an attacker were to configure an AP to illegally transmit on Channel 14 and export data at 2.484 GHz, security teams monitoring US channels would probably never detect it.
Kanal 14 zu nutzen ist nur in Japan legal. Natürlich sollte ein Sniffer alle 14 Kanäle abhören, um den Feindsender im eigenen Lager aufzuspüren.
2. 802.11n ohne Abwärtskompatibilität:
[The] “Green Field” or “high-throughput only” mode [...] takes full advantage of the enhanced throughput but is not visible to 802.11a/b/g devices. Older devices will see GF-mode traffic only as noise.
Das ist eigentlich der selbe Trick wie 1. Es sollte kein Problem sein, einen Sniffer auch auf 802.11n lauschen zu lassen, doch bis die Spezifikation steht und verbreitet ist, sind 802.11n-Access-Points eine gute Wette für den Fiesling von heute.
3. Bluetooth mit hoher Reichweite statt WLAN:
Even if you’re using a spectrum analyzer like WiSpy, you may not notice it. Bluetooth uses Frequency Hopping Spread Spectrum, and hops 1600 times a second throughout the 2.402-2.480GHz band. Because it’s spread out across the spectrum, it can be hard to notice and easily mistaken for noise by the untrained eye. Most Wireless IDS systems and security teams simply don’t look for it (yet).
4. Wireless Knocking:
With wireless knocking, a rogue AP sits on the network in monitor mode, listening for probe requests. When the rogue AP receives a packet (or sequence of packets) with the preconfigured SSID, it awakens and switches to master mode.
Wireless Knocking ist eine Abwandlung des Portknockings. Und es gibt bereits ein Programm dafür: "WKnock" heißt es und ist für OpenWrt verfügbar. Es dient dazu, den eigenen Access-Point vor Angreifern zu verstecken, doch wie jedes "Hackertool" kann es mit guten und bösen Absichten benutzt werden. Wer Angreifer und wer Verteidiger ist, ist keine Frage der Software.
Dienstag, 20. Januar 2009
Frozen Cache gegen Kryoattacke - und Performance
Gegen den von mir "Kryoattacke" getauften "Cold-Boot"-Angriff gibt es Abhilfe. Das ist nichts neues, schon im ersten Beitrag zum Thema im Februar vor einem Jahr hatte ich erwähnt, dass diverse Methoden diskutiert werden.
Die beste Methode ist wohl die jetzt "Frozen Cache" genannte. Hardwareerweiterungen und Notschalter sind nicht notwendig, der Schlüssel und weitere sensible Daten werden vielmehr in einem Bereich des CPU-Caches abgelegt, dessen Inhalt man nicht in den Arbeitsspeicher zurückschreiben lässt.
Der heise-Artikel, der heute darüber berichtet klingt anfangs ein wenig, als sei dies eine Neuigkeit, neu ist aber lediglich, dass im Blog Frozen Cache ein paar unvollständige Assemblerbefehle stehen, mit denen dies auf Intel-CPUs möglich sein soll. Heise schreibt dann auch:
Den heftigen Performanceverlust, den Cache-as-RAM im Normalbetrieb des PCs mit sich bringt, halten die Hacker von Frozen Cache für akzeptabel, da man den Gefriercache nur aktivieren müsse, wenn z.B. der Rechner gesperrt wird. Logisch, denn wenn ein ungesperrter Rechner entwendet wird, ist die Verschlüsselung ohnehin nutzlos. Dennoch ist das Verfahren für Server, die ständig "gesperrt" sind und ständig Leistung bringen müssen, möglicherweise sehr problematisch.
Nebenbei: Heise verwendet das nette Wort "Kühlungsattacke".
Die beste Methode ist wohl die jetzt "Frozen Cache" genannte. Hardwareerweiterungen und Notschalter sind nicht notwendig, der Schlüssel und weitere sensible Daten werden vielmehr in einem Bereich des CPU-Caches abgelegt, dessen Inhalt man nicht in den Arbeitsspeicher zurückschreiben lässt.
Der heise-Artikel, der heute darüber berichtet klingt anfangs ein wenig, als sei dies eine Neuigkeit, neu ist aber lediglich, dass im Blog Frozen Cache ein paar unvollständige Assemblerbefehle stehen, mit denen dies auf Intel-CPUs möglich sein soll. Heise schreibt dann auch:
Neu ist diese als Cache-as-RAM bezeichnete Methode indes nicht, bereits LinuxBIOS/CoreBoot benutzen sie, um Speicherplatz zu haben, während der Speichercontroller noch initialisiert wird.
Den heftigen Performanceverlust, den Cache-as-RAM im Normalbetrieb des PCs mit sich bringt, halten die Hacker von Frozen Cache für akzeptabel, da man den Gefriercache nur aktivieren müsse, wenn z.B. der Rechner gesperrt wird. Logisch, denn wenn ein ungesperrter Rechner entwendet wird, ist die Verschlüsselung ohnehin nutzlos. Dennoch ist das Verfahren für Server, die ständig "gesperrt" sind und ständig Leistung bringen müssen, möglicherweise sehr problematisch.
Nebenbei: Heise verwendet das nette Wort "Kühlungsattacke".
Geschrieben von datenritter
um
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Tags für diesen Artikel: cracking, festplattenverschlüsselung, forensik, hacking, kryoattacke, sicherheit, verschlüsselung
Mittwoch, 17. Dezember 2008
"Computer Bild" oder "Computer Blöd"?
Schon einiger Zeit plagt ein gravierender Fehler Nutzer des Microsoft Internet Explorers, der sich allein durch Öffnen einer manipulierten Webseite mit einem Virus infiziert. Bereits seit Oktober soll der Schädling umgehen.
Heute erst wurde die Lücke von Microsoft behoben. Zu spät, wie ich finde, aber was soll man von Microsoft schon erwarten?
In den heise-Meldungen ist die Rede von einem Exploit. Die Wikipedia erklärt in einfachen Worten, was das ist:
Etwas banalisierend könnte man einen Exploit also als Hälfte eines Computervirus' bezeichnen. Die andere Hälfte ist der Teil, der im infizierten Browser tätig wird.
Wird die Sicherheitslücke, die einem Exploit zugrundeliegt, erst bekannt, wenn sie bereits ausgenutzt wird, so spricht man von einem Zero-Day-Exploit. Dazu die Wikipedia:
Zero-Day-Exploit ist also, wie jeder leicht nachlesen kann, ein Fachbegriff.
Das hat die "Computer Bild", zu meinem Bedauern die auflagenstärkste deutsche Computerzeitschrift, bis gestern zumindest nicht verstanden:
Nein, ihr Computerbild-Schreiberlinge, "Zero Day" ist nicht der Name des Schädlings!!!
Und nicht um die chinesischen Windows-Nutzer geht es, vielmehr breitete sich der Schädling anfangs über chinesische Webseiten aus. Die heise-Meldung erklärt es:
Angesichts dieses Blödsinns bin ich versucht, von gefährlicher Verharmlosung des Fehlers im Microsoft-Browser zu sprechen.
Da sieht man mal wieder, dass "auflagenstark" nur bedeutet, dass viele Exemplare gedruckt werden, nicht aber, dass sie gelesen und verstanden werden, geschweige denn, dass die Autoren wissen, wovon sie reden.
Update: Torsten Feld formuliert es so:
Update: Mittlerweile hat die "Computer Bild" den Artikel überarbeitet. Vermutlich war ihnen die Erwähnung bei fefe zu peinlich.
Heute erst wurde die Lücke von Microsoft behoben. Zu spät, wie ich finde, aber was soll man von Microsoft schon erwarten?
In den heise-Meldungen ist die Rede von einem Exploit. Die Wikipedia erklärt in einfachen Worten, was das ist:
Ein Exploit (englisch to exploit - ausnutzen) ist eine Software oder eine Sequenz von Befehlen, die spezifische Schwächen beziehungsweise Fehlfunktionen eines anderen Computerprogramms zur Erlangung von Privilegien (...) ausnutzt.
Etwas banalisierend könnte man einen Exploit also als Hälfte eines Computervirus' bezeichnen. Die andere Hälfte ist der Teil, der im infizierten Browser tätig wird.
Wird die Sicherheitslücke, die einem Exploit zugrundeliegt, erst bekannt, wenn sie bereits ausgenutzt wird, so spricht man von einem Zero-Day-Exploit. Dazu die Wikipedia:
Ein Exploit, das vor dem oder am selben Tag erscheint, an dem die Sicherheitslücke (Neudeutsch Zero-Day-Lücke) allgemein bekannt wird, nennt man Zero-Day-Exploit (0-Day-Exploit, 0day). Die Gefährlichkeit dieser Exploits rührt daher, dass zu diesem Zeitpunkt kaum ein Hersteller bzw. Entwickler in der Lage ist, die Sicherheitslücke sinnvoll und umfassend mittels eines Patches zu schließen.
Zero-Day-Exploit ist also, wie jeder leicht nachlesen kann, ein Fachbegriff.
Das hat die "Computer Bild", zu meinem Bedauern die auflagenstärkste deutsche Computerzeitschrift, bis gestern zumindest nicht verstanden:
Ein Computerschädling namens „Zero Day“ bedroht derzeit PCs. Im Moment seien allerdings nur Rechner in China betroffen, die mit dem Browser „Internet Explorer“ (IE) ausgestattet sind.
Nein, ihr Computerbild-Schreiberlinge, "Zero Day" ist nicht der Name des Schädlings!!!
Und nicht um die chinesischen Windows-Nutzer geht es, vielmehr breitete sich der Schädling anfangs über chinesische Webseiten aus. Die heise-Meldung erklärt es:
Derzeit sieht es auch so aus, als würden hauptsächlich gehackte chinesische Webseiten den Exploit enthalten. Auf einem (...) Testsystem (...) startete der Zero-Day-Exploit ein Programm namens ko[1].exe, das sofort Kontakt mit einem chinesischen Server aufnahm und begann, Rootkit-Komponenten nachzuladen.
Angesichts dieses Blödsinns bin ich versucht, von gefährlicher Verharmlosung des Fehlers im Microsoft-Browser zu sprechen.
Da sieht man mal wieder, dass "auflagenstark" nur bedeutet, dass viele Exemplare gedruckt werden, nicht aber, dass sie gelesen und verstanden werden, geschweige denn, dass die Autoren wissen, wovon sie reden.
Update: Torsten Feld formuliert es so:
Schon doof, wenn man sich dümmer macht, als man sowieso schon ist...
Update: Mittlerweile hat die "Computer Bild" den Artikel überarbeitet. Vermutlich war ihnen die Erwähnung bei fefe zu peinlich.
Freitag, 5. Dezember 2008
akustische Abhörbarkeit von... Papier?
Zur akustischen Abhörbarkeit von Computersystemen hatte ich schon einmal etwas geschrieben.
Bei hack a day wurde kürzlich über die Möglichkeit, Wände als Eingabegerät zu nutzen, berichtet. Chris Harrison, der auch sonst einige interessante Projekte auf seinen Seiten präsentiert, hat sich mit der Entwicklung einer solchen "Kratz-Eingabe" beschäftigt. Das System erkennt an die Wand gekratzte Gesten wie Kreise oder Linien und Klopfen auch über vermeintliche Hindernisse wie Türen hinweg.
Aber auch Buchstaben sind Gesten. Ein auf Papier geschriebenes (beziehungsweise "gekratztes") X ist von einem U zu unterscheiden. Menschen mit absolutem Gehör erkennen Töne zielsicher. Blinde hören die erstaunlichsten Details aus ihrer Umgebung heraus, weil ihr Hörsinn stärker ausgebildet ist. Also ist es auch möglich, manuelle Schreibvorgänge — will sagen: Handschrift — abzuhören.
Wie das eingangs genannte Experiment zeigt, brauchen Spione und Geheimdienste keine Blinden mehr zu beschäftigen. Ist die Schrift sehr leise oder durch Störgeräusche für einen Menschen nicht mehr wahrnehmbar, müssen ohnehin Mikrofone und Signalverarbeitung helfen. Da liegt es nahe, gleich eine Software als etwas ausgefeilteres "Eingabegerät" anzuschließen, die mit hoher Erkennungsrate handschriftliche Notizen mitschreiben kann. Die klare zeitliche Abfolge der Geräusche und die minimalen Abweichungen der Handschrift eines Menschen dürften die Auswertung zu einem Kinderspiel machen.
Die Kosten sind minimal: Ist die Software erstmal entwickelt, braucht man nur noch ein Notebook und ein geschickt angebrachtes Mikrofon.
Bei letzterem hat man es wegen der guten Fortpflanzung von Schallwellen in festen Körpern sogar recht leicht: Mikrofone können auch an schwer erkennbaren Stellen angebracht werden. Da die meisten Notizblöcke auf Tischen liegen, würde ich mal spontan die Zimmerdecke der darunterliegenden Wohnung ausprobieren. Dann hilft dem Heimlichtuer von heute auch der aus Filmen bekannte aufgedrehte Wasserhahn nicht mehr.
Bei hack a day wurde kürzlich über die Möglichkeit, Wände als Eingabegerät zu nutzen, berichtet. Chris Harrison, der auch sonst einige interessante Projekte auf seinen Seiten präsentiert, hat sich mit der Entwicklung einer solchen "Kratz-Eingabe" beschäftigt. Das System erkennt an die Wand gekratzte Gesten wie Kreise oder Linien und Klopfen auch über vermeintliche Hindernisse wie Türen hinweg.
Aber auch Buchstaben sind Gesten. Ein auf Papier geschriebenes (beziehungsweise "gekratztes") X ist von einem U zu unterscheiden. Menschen mit absolutem Gehör erkennen Töne zielsicher. Blinde hören die erstaunlichsten Details aus ihrer Umgebung heraus, weil ihr Hörsinn stärker ausgebildet ist. Also ist es auch möglich, manuelle Schreibvorgänge — will sagen: Handschrift — abzuhören.
Wie das eingangs genannte Experiment zeigt, brauchen Spione und Geheimdienste keine Blinden mehr zu beschäftigen. Ist die Schrift sehr leise oder durch Störgeräusche für einen Menschen nicht mehr wahrnehmbar, müssen ohnehin Mikrofone und Signalverarbeitung helfen. Da liegt es nahe, gleich eine Software als etwas ausgefeilteres "Eingabegerät" anzuschließen, die mit hoher Erkennungsrate handschriftliche Notizen mitschreiben kann. Die klare zeitliche Abfolge der Geräusche und die minimalen Abweichungen der Handschrift eines Menschen dürften die Auswertung zu einem Kinderspiel machen.
Die Kosten sind minimal: Ist die Software erstmal entwickelt, braucht man nur noch ein Notebook und ein geschickt angebrachtes Mikrofon.
Bei letzterem hat man es wegen der guten Fortpflanzung von Schallwellen in festen Körpern sogar recht leicht: Mikrofone können auch an schwer erkennbaren Stellen angebracht werden. Da die meisten Notizblöcke auf Tischen liegen, würde ich mal spontan die Zimmerdecke der darunterliegenden Wohnung ausprobieren. Dann hilft dem Heimlichtuer von heute auch der aus Filmen bekannte aufgedrehte Wasserhahn nicht mehr.
Dienstag, 4. November 2008
Schlüssel anhand eines Fotos nachmachen
Dass man mittels eines Seifenabdruckes Schlüssel nachmachen kann, ist aus gewissen Filmen hinlänglich bekannt. Logisch eigentlich, dass das auch mit einem Foto geht — und für einige auch nichts neues.
Forscher der UC San Diego Jacobs School of Engineering haben das ganze jetzt in ein automatisiertes Verfahren gegossen. Ein Digitalfoto, gerne auch klammheimlich mit dem Teleobjektiv gemacht, wird vom Computer per Bilderkennung in die Vorlage für einen Nachschlüssel umgewandelt.
Die Studie zeigt einmal mehr, dass Schlüssel — auch die zu sogenannten Sicherhetsschlössern — keineswegs besonders sicher sind. Allerdings waren sie das auch vorher schon nicht.
Die Hersteller gehen dort, wo Stromversorgung und Batteriepuffer zur Verfügung stehen, mittlerweile dazu über, die Schlüssel magnetisch zu kodieren oder gar RFID-Chips einzubauen. Doch dürfte das noch für lange Zeit nur bei Autos üblich sein.
Für den Ottonormal-Netzbürger zeigt dieses Beispiel einmal mehr, wie vorsichtig man mit der Preisgabe von Informationen sein muss:
Es würde mich interessieren, was Versicherungen dazu sagen, dass Menschen Fotos von ihren Auto- oder Haustürschlüsseln in frei zugängliche Fotoalben im Netz einstellen.
Forscher der UC San Diego Jacobs School of Engineering haben das ganze jetzt in ein automatisiertes Verfahren gegossen. Ein Digitalfoto, gerne auch klammheimlich mit dem Teleobjektiv gemacht, wird vom Computer per Bilderkennung in die Vorlage für einen Nachschlüssel umgewandelt.
Die Studie zeigt einmal mehr, dass Schlüssel — auch die zu sogenannten Sicherhetsschlössern — keineswegs besonders sicher sind. Allerdings waren sie das auch vorher schon nicht.
Die Hersteller gehen dort, wo Stromversorgung und Batteriepuffer zur Verfügung stehen, mittlerweile dazu über, die Schlüssel magnetisch zu kodieren oder gar RFID-Chips einzubauen. Doch dürfte das noch für lange Zeit nur bei Autos üblich sein.
Für den Ottonormal-Netzbürger zeigt dieses Beispiel einmal mehr, wie vorsichtig man mit der Preisgabe von Informationen sein muss:
“If you go onto a photo-sharing site such as Flickr, you will find many photos of people’s keys that can be used to easily make duplicates. While people generally blur out the numbers on their credit cards and driver's licenses before putting those photos on-line, they don’t realize that they should take the same precautions with their keys,” said Savage.
Es würde mich interessieren, was Versicherungen dazu sagen, dass Menschen Fotos von ihren Auto- oder Haustürschlüsseln in frei zugängliche Fotoalben im Netz einstellen.
Sonntag, 26. Oktober 2008
zur akustischen Abhörbarkeit von Tastaturen
Nun steht auch in Bruce Schneiers Blog etwas über die Abhörbarkeit von kabelgebundenen Tastaturen.
In den Kommentaren hält jemand das ganze für einen Hoax:
Bisher sind die technischen Details auch noch nicht veröffentlicht worden.
Doch auch die anderen Kommentare des aufgeweckten Publikums sind wie immer lesenswert. Dort findet sich ein Hinweis auf ein 2005 veröffentlichtes Paper. Laut dem sind Tastaturen, wie schon vermutet, auch abhörbar im eigentlichen Sinne des Wortes. Im Abstract heißt es:
Quelle: “Keyboard Acoustic Emanations Revisited.” L. Zhuang, F. Zhou, and J. D. Tygar. In Proceedings of the 12th ACM Conference on Computer and Communications Security, November 2005, pp. 373-382. Zu finden hier bzw. direkt hier.
Der Angriff macht sich auch statistische Eigenschaften zunutze. Mit einem ungewöhnlichen Keyboard-Layout und wirklich komplizierten Passwörtern ist man also noch einigermaßen auf der sicheren Seite.
In den Kommentaren hält jemand das ganze für einen Hoax:
Given that the first test's test phrase is "Trust no one", and that in both tests curiously the detection apparatus seemed to know precisely how many characters were pressed in the test (i.e. it knew when to stop), I'm inclined to believe this is a hoax.
Bisher sind die technischen Details auch noch nicht veröffentlicht worden.
Doch auch die anderen Kommentare des aufgeweckten Publikums sind wie immer lesenswert. Dort findet sich ein Hinweis auf ein 2005 veröffentlichtes Paper. Laut dem sind Tastaturen, wie schon vermutet, auch abhörbar im eigentlichen Sinne des Wortes. Im Abstract heißt es:
We present a novel attack taking as input a 10-minute sound recording of a user typing English text using a keyboard, and then recovering up to 96% of typed characters. There is no need for a labeled training recording. Moreover the recognizer bootstrapped this way can even recognize random text such as passwords: In our experiments, 90% of 5-character random passwords using only letters can be generated in fewer than 20 attempts by an adversary; 80% of 10-character passwords can be generated in fewer than 75 attempts.
Quelle: “Keyboard Acoustic Emanations Revisited.” L. Zhuang, F. Zhou, and J. D. Tygar. In Proceedings of the 12th ACM Conference on Computer and Communications Security, November 2005, pp. 373-382. Zu finden hier bzw. direkt hier.
Der Angriff macht sich auch statistische Eigenschaften zunutze. Mit einem ungewöhnlichen Keyboard-Layout und wirklich komplizierten Passwörtern ist man also noch einigermaßen auf der sicheren Seite.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Tastaturen trotz Kabel abhörbar
Erst in den letzten Tagen hatte ich eine kleine Diskussion über Funk-Tastaturen. Diese sind meiner Meinung nach ein großes Sicherheitsrisiko. Was nützt die schönste Festplattenverschlüsselung, wenn Passwörter per Funk durch den Raum wabern, wahrscheinlich eher schlecht verschlüsselt?
Vor einiger Zeit behauptete mal jemand, er glaube, dass Blinde hören können, welche Tasten man tippt. Das halte ich für übertrieben, doch mittels einer computergestützten Auswertung der Tastengeräusche ist sicher einiges möglich. Jedenfalls kann man anhand der zeitlichen Verzögerung zwischen den Anschlägen schon recht gut Anwender identifizieren und vielleicht auch ermitteln, welche Tasten betätigt wurden. Schließlich brauchen die Finger je nach Entfernung unterschiedlich viel Zeit von einer Taste bis zur nächsten.
Klar ist: Wer beim Tippen gefilmt wird, hat ein Problem, und auch schnelle Augen könnten mitlesen.
Doch auch, wenn man es schafft, seinen Schreibrhythmus zu verzerren, keine Funktastatur benutzt, Blinde meidet und niemals unter menschlichen oder Kameraugen tippt: Ein mulmiges Gefühl bleibt. War da nicht etwas mit dem Kondensatorenpfeiffen, welches einem Lauscher verrät, was der Prozessor oder ein anderes Bauteil gerade macht? Und was ist mit der elektromagnetischen Abstrahlung des Geräts über Schnittstellen, Kabel und Öffnungen im Gehäuse? TEMPEST bzw. Van-Eck-Phreaking nennt man das, und Banken, Botschaften und Versicherungen schirmen deshalb Wände und Fenster mit elektrisch leitfähigen Materialien und Gitternetzgeweben ab. Es gibt sogar abschirmende Wandfarben.
Nun, das Van-Eck-Phreaking ist zurückgekehrt und hat einen der schlimmsten Albträume Wahrheit werden lassen: COMPROMISING ELECTROMAGNETIC EMANATIONS OF WIRED KEYBOARDS.
Laut der Zusammenfassung bei hack a day haben Martin Vuagnoux and Sylvain Pasini vom Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne elf verschiedene Tastaturen gefunden, die bei jedem Tastendruck elektromagnetische Impulse aussenden, die sich empfangen und dekodieren lassen. Achja, und das funktioniert auch noch aus etwa zwanzig Metern Entfernung.
Da das Paper noch nicht veröffentlicht ist, müssen wir mit Demonstrationsvideos vorlieb nehmen und einfach mal glauben, dass es kein Scherz ist.
Die Vorstellung, nur noch Bildschirmtastaturen einzusetzen, wie es bereits jetzt einige Banken ermöglichen, um Keyloggern ein Schnippchen zu schlagen, behagt mir gar nicht. Ich werde stattdessen meine Tastatur in geerdete Alufolie einwickeln.
Vor einiger Zeit behauptete mal jemand, er glaube, dass Blinde hören können, welche Tasten man tippt. Das halte ich für übertrieben, doch mittels einer computergestützten Auswertung der Tastengeräusche ist sicher einiges möglich. Jedenfalls kann man anhand der zeitlichen Verzögerung zwischen den Anschlägen schon recht gut Anwender identifizieren und vielleicht auch ermitteln, welche Tasten betätigt wurden. Schließlich brauchen die Finger je nach Entfernung unterschiedlich viel Zeit von einer Taste bis zur nächsten.
Klar ist: Wer beim Tippen gefilmt wird, hat ein Problem, und auch schnelle Augen könnten mitlesen.
Doch auch, wenn man es schafft, seinen Schreibrhythmus zu verzerren, keine Funktastatur benutzt, Blinde meidet und niemals unter menschlichen oder Kameraugen tippt: Ein mulmiges Gefühl bleibt. War da nicht etwas mit dem Kondensatorenpfeiffen, welches einem Lauscher verrät, was der Prozessor oder ein anderes Bauteil gerade macht? Und was ist mit der elektromagnetischen Abstrahlung des Geräts über Schnittstellen, Kabel und Öffnungen im Gehäuse? TEMPEST bzw. Van-Eck-Phreaking nennt man das, und Banken, Botschaften und Versicherungen schirmen deshalb Wände und Fenster mit elektrisch leitfähigen Materialien und Gitternetzgeweben ab. Es gibt sogar abschirmende Wandfarben.
Nun, das Van-Eck-Phreaking ist zurückgekehrt und hat einen der schlimmsten Albträume Wahrheit werden lassen: COMPROMISING ELECTROMAGNETIC EMANATIONS OF WIRED KEYBOARDS.
Laut der Zusammenfassung bei hack a day haben Martin Vuagnoux and Sylvain Pasini vom Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne elf verschiedene Tastaturen gefunden, die bei jedem Tastendruck elektromagnetische Impulse aussenden, die sich empfangen und dekodieren lassen. Achja, und das funktioniert auch noch aus etwa zwanzig Metern Entfernung.
Da das Paper noch nicht veröffentlicht ist, müssen wir mit Demonstrationsvideos vorlieb nehmen und einfach mal glauben, dass es kein Scherz ist.
Die Vorstellung, nur noch Bildschirmtastaturen einzusetzen, wie es bereits jetzt einige Banken ermöglichen, um Keyloggern ein Schnippchen zu schlagen, behagt mir gar nicht. Ich werde stattdessen meine Tastatur in geerdete Alufolie einwickeln.
Donnerstag, 16. Oktober 2008
WPA trotz nVidia-Chips immer noch sicher
Am 10. Oktober konnte man im SC Magazine lesen, dass WPA angeblich nicht mehr sicher sei. Eine russische Firma würde die enorme Rechenleistung von nVidia-Grafikkarten-Prozessoren nutzen, um das Knacken von Passwörtern um 10.000% zu beschleunigen.
Es handelt sich übrigens um die Firma Elcomsoft, spezialisiert auf "Passwort-Rettung".
Das hat wiederum eine andere Firma, GSS, dazu veranlasst, WiFi generell für unsicher zu erklären und VPNs anzupreisen. Kristian Köhntopp fragte sich indes, wie denn die VPNs mit den gleichen Verfahren wie bei WPA sicherer sein sollen.
Bei Slashdot hat man am 12. Oktober richtig gerechnet: Eine Beschleunigung um 10.000% bedeutet ungefähr* Faktor 100. Nicht mehr. Und das bei einer Brute-Force-Attacke. Die ist bei schwachen Passwörtern schon immer erfolgversprechend gewesen, sonst eher nicht.
Das ganze ist also nichts, was man durch mehr konventionelle Rechenleistung, z.B. einen kleinen Cluster nicht auch erreichen könnte. Bruce Schneier schreibt dazu dann auch gewohnt deutlich:
Thema durch.
(* Da bin ich pingelig: Beschleunigung um 10.000%, also um die 100fache Leistung, bedeutet auf das 101fache. Beschleunigung auf 10.000% wäre hingegen auf das 100fache. Ich gehe davon aus, dass auch im Englischen so unterschieden wird.)
Es handelt sich übrigens um die Firma Elcomsoft, spezialisiert auf "Passwort-Rettung".
Das hat wiederum eine andere Firma, GSS, dazu veranlasst, WiFi generell für unsicher zu erklären und VPNs anzupreisen. Kristian Köhntopp fragte sich indes, wie denn die VPNs mit den gleichen Verfahren wie bei WPA sicherer sein sollen.
Bei Slashdot hat man am 12. Oktober richtig gerechnet: Eine Beschleunigung um 10.000% bedeutet ungefähr* Faktor 100. Nicht mehr. Und das bei einer Brute-Force-Attacke. Die ist bei schwachen Passwörtern schon immer erfolgversprechend gewesen, sonst eher nicht.
Das ganze ist also nichts, was man durch mehr konventionelle Rechenleistung, z.B. einen kleinen Cluster nicht auch erreichen könnte. Bruce Schneier schreibt dazu dann auch gewohnt deutlich:
Yes, weak passwords are weak -- we already know that. And strong WPA passwords are still strong. This seems like yet another blatant attempt to grab some press attention with a half-baked cryptanalytic result.
Thema durch.
(* Da bin ich pingelig: Beschleunigung um 10.000%, also um die 100fache Leistung, bedeutet auf das 101fache. Beschleunigung auf 10.000% wäre hingegen auf das 100fache. Ich gehe davon aus, dass auch im Englischen so unterschieden wird.)
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